„Generalbevollmächtigte ohne Mandat“: Akteure, Kontaktgruppen und Zielgruppen der Kulturdiplomatie im Kalten Krieg (1945-1991)

5 июля 2018
Seit dem Erscheinen des Pionierwerks von Paul Hollander über die politischen Pilger im Jahre 1981 wurde die Frage der agency in der Kulturdiplomatie im transnationalen Kommunikationsraum der bipolaren Welt zu einem „heißen Thema“ in der geschichtswissenschaftlichen Landschaft. In ihm fließen verschiedene Überlegungen zusammen: zu den Wechselbeziehungen der kulturdiplomatischen Akteure mit den Institutionen der Macht und zum Grad ihrer persönlichen Freiheit; zu der Rolle der parteistaatlichen Kontrolle und des Einflusses, den die Sicherheitsorgane auf die Tätigkeit der gesellschaftlichen Organisationen und der Freundschaftsgesellschaften hatten; zu den Funktionen von Wissenschaftlern, Künstlern, Sängern und Touristen als „Kulturträger“ und „Generalbevollmächtigte ohne Mandat“ in den zwischenstaatlichen Beziehungen. Deshalb leistet die Erforschung der agency in der Kulturdiplomatie einen wichtigen Beitrag zu aktuellen Diskussionen über die Rolle der private-state networks in den zwischenstaatlichen Wechselbeziehungen und in der transkulturellen Kommunikation, sowie zur Erschaffung eines interdisziplinären Forschungsverständnisses in den Bereichen der internationalen Beziehungen und der transnationalen und globalen Geschichte. Chair: Das voraussichtliche Panel wird strukturiert bei drei Vorträgen. Dr. habil. Oxana Nagornaja (Tscheljabinsk, Russland), geboren in 1977, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Süduralischen Staatlichen Universität, (Tscheljabinsk/Russland), Leiterin der Forschungsgruppe zum Thema „Sowjetische Kulturdiplomatie im Kalten Krieg“. Das Projekt wird unterstützt durch die Russische Wissenschaftliche Stiftung. „Unsere Deutschen“: Ostdeutsche Studierende in der UdSSR im Kalten Krieg und die blockinterne Kulturdiplomatie Die DDR-Studierenden, die seit 1951 ihr Studium an den sowjetischen Hochschulen annahmen, bildeten einen wichtigen Teil der ostdeutschen Gesellschaft, der reale und nicht medial vermittelte Erfahrungen mit der Sowjetunion und der propagandistisch gestalteten „sozialistischen Gemeinschaft“ gemacht hatte. Die sowjetischen und ostdeutschen Behörden betrachteten die Auslandsstudenten als ein zuverlässiges Kaderreservoir für die Partei und die Wissenschaft, aber auch als einen wichtigen Einflusskanal der blockinternen Kulturdiplomatie. Der Vortrags wird u.a. folgende Fragen diskutiert: welche Konzepte und Instrumente der Kulturdiplomatie wurden von beiden Seiten durchgesetzt, um das Bild der DDR als des umerzogenen Feind von gestern im transnationalen Raum sowjetischer Hochschulen zu vermitteln und eine Erfolgsgeschichte der sozialistischen Integration nach innen und nach außen zu präsentieren, wie deuteten die Studenten selbst diese Botschaften um und welche Züge nahm die inoffizielle Kulturdiplomatie im sowjetischen bzw. ostdeutschen Alltag an? Dr. Konrad Sziedat (München), geboren in 1984, 2016 – Promotion in neuerer und neuester Geschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München zum Thema „Der Wind hat sich gedreht“. Die westdeutsche Linke und der Zusammenbruch des Ostblocks. Wandeln zwischen Welten. Agenten transatlantischer Transfers im populären Musiktheater Ist die Oper in den letzten Jahren verstärkt ins Blickfeld auch der Geschichtswissenschaft gerückt, bleiben Formen des populären Musiktheaters wie die Operette und das Musical weiterhin unterbelichtet. In diese Lücke stößt der Vortrag. Er fragt nach kultureller Globalisierung auf drei Ebenen: Erstens geht es um Migrationsprozesse von Künstlern zwischen Europa und den USA Mitte des 20. Jahrhunderts und um ihre Rahmenbedingungen. Zweitens werden personelle Verbindungen und ästhetische Austauschprozesse zwischen den beiden Genres Operette und Musical analysiert. Auf diese Weise deutet sich, drittens, ein Bild multidirektionaler Konvergenzen und Transfers an, das gängige Narrative von einer „Amerikanisierung“ oder „Westernisierung“ Europas nach 1945 kontrapunktieren könnte. Dr. habil. Olga Nikonova (Tscheljabinsk, Russland), geboren 1969, Lehrstuhlleiterin für Russländische und Internationale Geschichte der Süduralischen Staatlichen Universität (Tscheljabinsk). Forschungsschwerpunkte: Neueste Geschichte Russlands, Stalinismus, Geschichte des Kalten Krieges und der Kulturdiplomatie. "Fesseln" der Freundschaft: sowjetische Intellektuellen als Träger der Kulturdiplomatie während des Kalten Krieges Die Jahre des Kalten Krieges waren von der Intensivierung der kulturellen Kontakte zwischen Ländern mit unterschiedlichen sozialen Systemen geprägt. Die aktiven Teilnehmer der Kommunikation waren die Kulturschaffende. Im Parteistaat fanden sie sich oft in einer Konfliktsituation, als das persönliche Interesse an westlicher Kultur und Gesellschaft die offizielle Haltung zur Bekämpfung des Kosmopolitismus oder des Antiamerikanismus widersprach. Im Mittelpunkt des Berichts stehen die berühmten Kultur- und Wissenschaftsfiguren wie Vladimir Kemenov, Agniya Barto oder Konstantin Fedin, deren öffentliche Aktivitäten mit den Institutionen der Kulturdiplomatie verbunden waren. Es wird untersucht, wie man sowjetische Intellektuelle in die interkulturelle Kommunikation integriert wurden, ihre kulturdiplomatische Karriere. Es wird einen Versuch unternommen, aufgrund der offiziellen Dokumenten und persönlichen Nachlässen ihre Motivation zu analysieren.

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